Schweißperlen vor die Säue

Was für ein Arschloch von Sommer! Mit dem Schweiß, welcher mir zwischen Mai und September der Arschspalte herunter lief, hätte man den fast komplett ausgetrockneten Aralsee zu mindestens zwei Dritteln wieder befüllen können. Obwohl: nicht bei allen Badelustigen ist Gesäßwasser allererste Wahl. Man hat sich. Und überhaupt: eine Leitung von meinem Allerwertesten bis an die Grenze von Kasachstan und Usbekistan zu legen, wäre eine technische und finanzielle Herausforderung, der sich gewiss nur partiell gedankenlose Mitbürger stellen würden. Auch liegt der Aralsee nicht nur optisch in weit entfernter Lage und “Aus den Augen –  aus dem Sinn”.  Sollen die Usbeken und Kasachen ihr Erdloch doch gefälligst selber voll schwitzen! Man hat ja schließlich schon genug Probleme und ausgetrocknete Seen werden doch erst für uns medial übersättigte Mitteleuropäer interessant, wenn Prominente der Kategorie C nackig einen Kopfsprung in sie wagen. Dann haben die Käseblätter was zu schreiben und unsereins schlägt sich vor Lachen auf die vor Schweiß glänzenden Schenkel, dass es nur so spritzt. Doch heuer mag kein Mediendepp zum Aralsee reisen, also bleibt mir nur zur mageren Unterhaltung, im Sommerloch die eigenen Probleme im Kopf von einem Ohr zum anderen Ohr zu wälzen.

Da wäre beispielsweise die Suche nach einer Antwort auf die Frage, warum auf meinem Weg von circa 22 Kilometern, welchen ich regelmäßig aus familiären Gründen befahren muss, der Preis für Benzin so unterschiedlich hoch ist. Marktwirtschaft hin – Marktwirtschaft her: vier Tankstellen liegen auf der Strecke und die Transparenz deren Preisbildung bleibt es auf dieser ebenso. Ich könnte es verstehen, wenn der Treibstoff der Tankstelle, welche am weitesten von Saudi-Arabien entfernt ist, auch am teuersten ist, da er logischerweise den längsten Transportweg an der oktanverschmierten Backe hat. Doch wenn die nächste Tanke nur fünfhundert Meter von der vorherigen Tankstelle entfernt liegt und Super dort doch volle 5 Cent mehr pro Liter kostet, dann kann sich der Taschenrechner in all seinen Funktionen wund rechnen; ein logisches Ergebnis bekommt er nicht raus. 5 Cent auf 500 Meter.  Nimmt man dieses als Berechnungsgrundlage, und geht man zudem davon aus, dass zwischen einem  Ölfördergebiet an der Küste von Venuzuela und einer Tankstelle in Weimar ungefähr 8300 Kilometer liegen und der nicht von mir nachvollziehbare Preiszuschlag für die gesamte Strecke gilt, so käme man auf einem Aufpreis von 830 Euro pro Liter. Einmal volltanken für meinen Toyota Aygo schlüge also mit zusätzlichen 29.000 Euro zu Buche. Da wäre sein Titel als weltweit sparsamstes KFZ aber mehr als nur vakant. Diese 5 Cent müssen also direkt und allein in Weimar genau auf dieser Strecke von 500 Metern von Tanke zu Tanke in einer bislang schlecht kommunizierten Problematik gründen.

Man weiß ja, Weimar liegt ja in den ehemaligen Ostgebieten und Benzin wurde ja in der DDR, genau wie Brot, Birnen und Büstenhalter, staatlich subventioniert. Und wir wissen auch, Subventionen reißen immens große Löcher in Staatskassen, und meiner eigenen Hypothese nach vielleicht auch in die Rohre, durch die das volkseigene Arbeiter- und Bauern-Benzin floss. Nun sind die Leitungen alle marode und der kostbare Saft läuft ins Erdreich, und wehe dem Maulwurf, welcher in der Nähe raucht. Und wer weiß, eventuell setzt man nun dort deswegen Lawinenhunde der Alpinen Rettung Schweiz ein, welche den Sprit wegen der kaputten Leitungen wegen von Tankstelle zu Tankstelle hecheln, und in den Fässchen, welche die Hunde am Halse tragen, findet man keinen Rum, man findet in ihnen Benzin. Und da fällt natürlich gehörig Leihgebühr für die Köter an. Schweizer leben bekanntlich auf großem Fuß und dass Hunde oft ihren Herrchen gleichen, ist allgemein bekannt. Bulldoggenbesitzer zum Beispiel können nicht mit dem Schwanz wackeln und gleichen auch von der Schnauze her oft ihrem Tier. Das ist bewiesen, auch wenn es dem Hund nicht gefällt. Und wenn die Vierbeiner dann auch noch Mitglied der GdBH, also der Gewerkschaft der Benzin tranzportierenden Hunde, sind, dann aber Gute Nacht, denn die streiken doch alle Hundenase lang, stecken mit der Pilotengewerkschaft Cockpit unter einer Decke (Flughunde!), was den Treibstoff ja sicherlich nicht billiger macht.

Doch Skepsis macht sich breit, wo die Idee der Benzin transportierenden Vierbeiner farbenfroh um Beifall warb, denn noch nie sah ich solch einen Treibstoffterrier bei seiner Fron entlang der B85 ein Bein heben und auch kein Bekannter berichtete mir je davon, so dass man davon ausgehen sollte, der Autor hat schlecht recherchiert und es sind ihm auf Grund der sommerlichen Hitze die literarischen  Sicherungen durchgebrannt.

Doch es sind ja auch nicht nur die unterschiedlichen Preise an lokal inzestuös benachbarten Tankstellen, auch die täglichen Schwankungen lassen den Autofahrer schwer traumatisiert zitternd zum Zapfhahn greifen. Fünfmal täglich fällt und steigt der Literpreis mindestens, was nur die besorgte Vermutung zulässt, alle Tankwarte leiden an durch Benzindämpfe verursachte Bipolare Störungen. Und genau diese Stimmungsschwankungen sorgen für das Auf und Ab der Anzeigetafeln, denn ist der Tankwart schlecht drauf, so sagt er sich “Bluten sollen sie, bluten!” und dreht grimmig grinsend an der Preisschraube. Ist er hingegen positiv gelaunt, so purzelt der Preis wie reife Pflaumen im August und der Tankwart säuselt mit Honig in der Stimme “Nehmt, ihr Guten, nehmt, möge eure Fahrt billig und blitzerfrei sein!” Da wird Tanken zum Glücksspiel. Und wenn dann noch neben einem ein Wagen mit Heckscheibenaufkleber steht, und der Aufkleber lautet NAPALM DEATH, so weiß der Kenner natürlich, hier tankt kein Vietnam-Veteran, hier wird plakativ einer groben Rockband gehuldigt. Und selbstverständlich ist Musik ein schönes Hobby, doch Stricken ist es auch, doch noch nie kam meine Gattin mit dem innigen Wunsch zu mir, ich möge doch bitte die Heckscheibe unseres Wagens möglichst haftbar mit den Worten FALLENGELASSENE MASCHEN  verzieren. Mit so einem Schriftzug käme ich beim Tanken sogar in einem Arschlochswinter ins schwitzen. Denn erklären sie so was mal dem Tankwart. Schweißperlen vor die Säue.

08/2015 ©kolumnistenschwein.de

Gagarin hätte gekotzt

Da haben die Astronomen also einen weiteren erdähnlichen Planeten entdeckt. Dies mag der Astronomen Brust ganz und gar zurecht vor lauter Stolz bis kurz vorm Platzen weiten. Der Bauer erntet Weizen bis das Dach abhebt. Diamantenschleifer schleifen bis sie vor lauter Edelsteinrumblitzerei den Grauen Star bekommen. Und die Nutte treibt sich den Tripper mit Naturheilkunde aus. Jeder Berufsstand glänzt demnach auf seinem Gebiet. Und was soll ein ausgebildeter Astronomen denn auch schon weiter den ganzen lieben langen Tag machen, außer eben nach erdähnlichen Planeten zu suchen. Und hat er dann endlich einen entdeckt, so freue ich mich mit ihm, nicht überschwänglich, mehr so dezent im Inneren, da wo sich bei mir Anerkennung und Verachtung über’n Zaun hinweg unterhalten.

Dass der neu entdeckte Exoplanet gute 1400 Lichtjahre weit entfernt im Weltenall baumelt, sei hier nur nebenbei erwähnt. Ich fahre einen Toyota Aygo und ohne groß in der Vertragswerkstatt lästig nachfragen zu wollen, bin ich mir ziemlich sicher, er fährt nicht mal bei streng durchgetretenem Gaspedal auch nur annähernd Lichtgeschwindigkeit. Den Planeten zu besuchen kann man also genauso gut von seiner proppevollen To-Do-Liste streichen, wie den Versuch, der Nutte ihr Hausrezept gegen Tripper gegen ein Stück kalten Zwiebelkuchen einzutauschen. Prostituierte mögen zwar vielmals überschminkt sein, doch sagt dieses nichts über ihren geistigen Zustand aus. Manchmal kommen Menschen eben leider in die missliche Lage, ihren Körper verkaufen zu müssen, doch heißt das nicht, sie wären eben doof. Doof ist doch eher der, der diese Körper nutzt, ausnutzt, ohne sich darüber Gedanken zu machen. Denn ganz gleich ob Nutte oder Fließbandarbeiter bei VW: ohne sie läuft nichts, egal ob auf der Straße oder am Band. Und ob man nun im Liegen oder im Stehen seinen Lebensunterhalt verdient, ist als Unterschied nur marginal, denn beides ist ehrenhaft und nährt sich nach Jahren aus einem Pool großer beruflicher Erfahrung. Und wer diese mit kalten Zwiebelkuchen erkaufen  will, ist ein herzloser Lump. Zurück zum erdähnlichen Planet.

Was heißt das überhaupt: erdähnlicher Planet? Wie muss man sich so einen Planeten vorstellen, wenn er erdähnlich sein soll? Kann man dementsprechend davon ausgehen, dass auf ihm auch eine Spezies haust, die trotz eines auf dem Planeten klar erkennbaren Mangels an sauberem Wasser darauf besteht, wöchentlich ihr privates Fortbewegungsmittel einzuseifen und mit zig Hundert Litern Wasser klarzuspülen? Gibt es dort demzufolge eine intelligente Lebensform, die die Ressourcen ihres Planeten dank ihrer Intelligenz im Konsumrausch in riesige Haufen voll Müll wandelt, in der selbsttrügerischen Hoffnung, nachfolgende Generationen kriegen das schon irgendwie wieder gebacken? Leben dort Menschen, von denen sich ein Großteil mit einer industriell gefertigten Art Lebensmitteln – welche nur unter groben ästhetischen Einschränkungen als genießbar anzusehen sind – den Wanst bis zum Bersten mästet, während ein mindestens gleich großer Anteil der Bevölkerung vor Hunger nichts zu scheißen hat? Führen auf diesem Planeten ganze Volksgruppen Krieg, weil ihr Gott zwar groß ist, aber dennoch wohl nicht so groß, als dass er für alle reicht? Und um der schlechten Dinge eine Krone aus Talmi aufzusetzen: hat man dort Nachbarn, welche von März bis November rund um die Uhr ihren Rasen mähen?

Werte Astronomen, bei allem notwendigen Respekt vor eurem anstudierten und plagiatierten Wissen: sollte erdähnlich bedeuten, dass der neu entdeckte Planet tatsächlich in obig benannter Form erdähnlich ist, so wäre es wünschenswert, diesem Ort eine weiträumig geplante Umgehungsstraße anzugedenken. Denn schließlich: wer einen eitrigen Pickel am Arsch hat, der wünscht sich doch keinen zweiten! Und sollte sich jetzt der eine oder andere Himmelsbeobachter fragen, was er denn dann bitteschön den ganzen lieben langen Tag so weiter machen soll, wenn sich doch kein Schwein für solch erdähnliche Planeten interessiert, so sage ich ihm höflich, aber mit leichtem Nachdruck in der Stimme: Geh’ arbeiten!

Juli 2015 ©kolumnistenschwein.de