Das Wort zum Sonntag (An einem Donnerstag in Thüringen geschrieben)

Waren das noch Zeiten, als die Südfrüchte noch im Süden hausten. Und wir aus dem Osten nur im Osten. Das Glas Bier kam 40 Pfennig. Und schmeckte auch danach. Die Frauen trugen Dederon-Schürzen. Und knöpften diese gern und zügig auf, wenn der Sieger im allwöchentlich statt findenden sozialistischen Wettbewerb eine Pulle Rumänischen Sektes springen ließ.

Heute tragen diese Frauen Gucci vom Polenmarkt. Und um sie ins Bett zu bekommen, muss man die Kontoauszüge der letzten 3 Monate vorweisen. Und im schlimmsten Fall dazu noch gutaussehend, sportlich und jung sein. Da kannst Du als 40jähriger Hartz-4-Empfänger deinen Schwanz auch gleich in den Häcksler hängen. Und das Bier schmeckt heute auch nicht besser. Kostet aber nun 2 Euro. Pro Glas.

Doch ich will nicht ungerecht sein. Denn was war das Leben in der Zone denn für ein Leben?! Arbeit. Kneipe. Arbeit. Kneipe. Aufgemotzt mit tonnenschwerer Propaganda. Doch heute können circa 20 Prozent der Thüringer behaupten, sie leben unendlich viel gesünder. Denn keine Arbeit haben, heißt auch keine Rückenprobleme zu bekommen. Und sich die Kneipe nicht leisten zu können, schützt bestens vor unappetitlichem Passivrauchen. So kann man gut und gerne 100 Jahre alt werden. Auch wenn man circa 60 davon auf Kosten der Gesellschaft überleben muss. Doch diese will sich dieses nun nicht mehr leisten. Denn wer heute gut verdient, der lebt schon jetzt nur noch am Rande des Luxusminimums. Es gab drastische Fälle, da mussten Pharmalobbyisten ihr Drittauto, ein Cabrio, über den Winter hin abmelden. Und der vierte Jahresurlaub wurde vom Bayrischen Wald in den Nepal verlegt. Weil das Weißbier dort günstiger ist. Mercedesfahrer kaufen den Champagner bei Aldi. Und schämen sich dafür nicht mehr. Frühpensionäre finden keinen Schlaf auf ihren mit 100-Euro-Scheinen gefüllten Kissen. Man spart, dass sich die Balken vom System biegen. Denn die Angst geht um. Die Angst, der Wohlstand, jener tönerne Riese, könne auf seine goldene Nase fallen. Und so läuft seit Monaten auf den Monitorwänden der Media-Märkte Sergio Leones „Lied vom Tod“. Und bei Douglas verkauft man 50 ml-Flakons mit Verwesungsgeruch. Selbst Asylsuchende machen einen großen Bogen um Deutschland. Man will sich schließlich nicht verschlechtern. Das Einzige, was sich einige Deutsche noch leisten, ist Nazi zu sein. Auch wenn der Gaspreis stetig steigt.

Doch unsere Politiker bauen weiter emsig Sandburgen, in denen Hein Blöd es sich gemütlich macht. Nur aus dem Radio scheint 24 Stunden täglich die Sonne. Trallalla-Musik, bis der Kellogs-Frostie-Tiger in die Müslischale kotzt.

Doch heute, heute ist mir das alles scheißegal. Denn meine Frau ist außer Haus. Und so habe ich beschlossen, an diesem Abend die 1989 errungene Freiheit bis aufs Derbste auszukosten.
Zuerst werde ich bei meinem Nachbarn, der seit Tagen ein T-Shirt trägt auf dem zu lesen ist: „Alles Schlampen. Außer Mutti“, klingeln, und ihm sagen, dass ich seine Mutter kannte. Und dass sein T-Shirt lügt.

Danach werde ich mich ausziehen, duschen, eine Chiquita ins Nutella tunken, und mir ganz langsam in den Hintern schieben. Denn schließlich, man darf ja nun fast alles. Ob man will oder nicht.

Guten Abend.

2005 ©kolumnistenschwein.de

Nachtrag: Diesen Text aus dem Jahre 2005 habe ich meinem E-Book Der Tag an dem ich mit Angela Merkel schlief entnommen. Downloaden kann man es bei unzügelbarem Bedarf auf Amazon.

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