Wenn die Tierliebe nach Verhütung schreit

Zwei Meldungen haben es tatsächlich geschafft, mich für wenige Hundert Worte aus der der Lethargie des Nicht-Schreiben-Könnens, des Nicht-Schreiben-Wollens heraus zu reißen. Da wäre zum einen die Nachricht, dass ein Höheres Gericht gezwungen war zu beurteilen, ob Sex mit Tieren in der Deutschen Bundesrepublik straffbar sei. Und zum anderen die Meldung, Tümmler, also meines Wissens nach eine Art Delphine, würden sich Kugelfische wie einen Joint herum reichen, um durch deren, für uns Menschen wohl giftige Substanzen, high zu werden. Bei beiden Meldungen habe ich aber aus Gründen der Verfügbarkeit jeweils nur die Überschrift gelesen, so dass mein Hintergrundwissen dazu doch mehr einem auf Sand gebautem Zwei-Personen-Zelt gleicht, als denn einer im Gotischen Stil errichteten Bibliothek in Nähe des Londoner Stadtkerns, doch zeichnete ich mich ja schon von jeher dadurch aus, offensichtliche Wissenslücken detailreich mit Selbstgedachtem aufzufüllen. Darum hier ein paar wenige Gedanken zur Thematik namens Zoophilie, auch Sodomie oder – je nach Bildungsstand – volkstümlich Eselfickerei genannt. Und warum Tümmler kiffen.

Mir, dessen sexuelles Verlangen nie mehr als eine Handbreit vom Standard abwich, ist es schon ein Rätsel, wie man sich zu einem Tier erotisch hingezogen fühlen kann. Es fällt mir schwer, die Augen zu schließen, und mir einen kleinen Tisch zu denken, darauf eine brennende, bereits zur Hälfte herunter gebrannte Kerze, eine fast geleerte Flasche nicht zu billigen roten Weines, zwei Gläser, an der einen Seite des Tische sitze ich, schwer verliebt, stark erigiert, und auf der anderen Seite hechelt meine Liebste, Agila von Schaumstoff-Castro, eine drei Jahre alte Schäferhündin guten Blutes, während der Kellner uns zwei Karten reicht, eine mit Bürgerlicher Küche, die andere mit Variationen von Pedigree Pal. Da geht meiner Fantasie recht schnell die Puste aus. Als Pragmatiker könnte ich es ja noch verstehen, wenn man um die Haushaltskasse zu schonen, in einer Vollmondnacht mit einem Huhn ins Stroh geht, da eine daraus hervorgehenden Tochter, die nicht nur kochen, sondern dazu auch Eier legt, einem gewiss einen gehörigen Batzen an Geld für proteinreiche Speisung spart. Oder einem Sohn, den man zweimal im Jahr der üppigen Wolle wegen scheren kann, weil man sich mit einem Schaf paarte, was man, wenn sich wie herkömmlich Mensch zu Mensch legt, vergessen kann, außer man hat viel Geduld, dann wird es nach vielen Jahren der Warterei und Zupferei vielleicht ja noch ein löchrig gewebter Schamhaarpullover. Doch eines erfüllten Sexuallebens wegen, da sage ich: Danke, nein.

Froh bin ich von Fußsohle bis Fontanelle darüber, nicht über sexuelle Selbstbestimmung und sexuellen Missbrauch in Beziehungen zwischen Mensch und Tier richten zu müssen, fällt es mir doch schon schwer, bei meinen sexuellen Verrichtungen über oben und unten, über von vorn und von hinten zu entscheiden. Dass aber das Thema Tierliebe es sogar bis vor eine höhere Gerichtsbarkeit schaffte, lässt mich doch zum Beispiel die Besucher von Zooläden mit ganz anderen Augen sehen. Oder die Nachbarn, die ihre Hunde Gassi führen. Da frage ich mich dann schon hinter der Gardine, ist dies nun ein Golden Retriever, oder bereits eine Zweitfrau. Auch sage ich – da ich ja gezwungen bin, den einen oder anderen Menschen verschiedenen Geschlechts persönlich zu kennen – angesichts seines Partners: “Das nächste mal gehst du aber ins Tierheim!” Man will sich ja verbessern. Denn mal ganz unter uns: ich habe noch keine  doofen Tiere getroffen. Sie verhalten sich immer gemäß ihren Instinkten und tun nie Unrecht. Doofe Menschen hingegen gibt es wie Tulpen in Holland. Sie schlagen einander tot, verschmutzen ihren Planeten bis zur Unbewohnbarkeit und gucken zwischendurch RTL2. Und dann und wann reiten Delphine in Küstennähe auf ihren Schwänzen und schauen unserem bekloppten Treiben zu. Und dann halten sie uns nicht mehr aus in ihrer längst bewiesenen Intelligenz. Darum kiffen Tümmler.

02/2016 ©kolumnistenschwein.de

6 Gedanken zu “Wenn die Tierliebe nach Verhütung schreit

  1. Aha.

    Ich wusste immer, daß man bei dir noch was lernen kann.

    Kiffende Tümmler…… ich ruf morgen nachmittag gleich mal meinen ehemaligen Biologielehrer an. Hat der mir doch tatsächlich eine wichtige Wichtigkeit vorenthalten…

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  2. Mein Biologielehrer hat gemeint:“Da hättest du mal besser aufgepasst! Kiffende Delphine sind seit eh und je schon auf diesem Planeten vertreten. Noch VOR den Dinosaurierern!“

    Ich fühl mich etwas leer…

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