Frei Haus: Ein faules Ei!

Ich möchte klarstellen: ich habe kein Problem mit Ostern. Ein paar Festtage, die auf christlichen Mythen beruhen, welche wiederum in heidnischen Bräuchen wurzeln, die, konsequent zu Ende gedacht, ihrerseits ihren Ursprung im Urknall haben müssen, doch egal, Hauptsache bleibt, man hat vier Tage im Paket frei. Wobei jetzt “frei” selbstverständlich nur den beruflichen Aspekt einschließt, denn alles andere muss man ja weiterhin wie auch an jedem feierfreien Alltag erledigen, was da als rein zufällige Auswahl wären, das Atmen, das Wechseln der Socken, das kritische Beäugen des sich über Monate hin angesammelten Kühlschrankinhaltes, eben all die Dinge, die man so erledigen muss, bevor deren Nichterledigung einen erfahrungskonform erledigt hat.

Ich werde die vier Tage jedenfalls dazu nutzen, ein paar unausgegorene Gedanken unter meiner gestrengen Aufsicht weiter vor sich hin gären zulassen. So wälze ich seit geraumer Zeit gedanklich die Tatsache, dass es nicht nur in meinem Heimatort so ist, dass Briefkästen teils geschützt vor widrigen klimatischen Bedingungen hinter Türen und Mauern hängen, zum Teil aber auch quasi unter freiem Himmel, weil außen angebracht, und so an Gemäuern oder Pfosten auf postalische Fütterung warten. Dies ist als Zustand bekannt und wird wohl auch kaum in den uns zugänglichen Weiten des Universums auf merklichen Widerspruch treffen. Gleiches gilt gewiss auch für die Tatsache, dass es um die Briefkästen herum nicht nur immer ein Wetter gibt, welches aus einem TUI-Sommerreisen-Katalog heraus geschnitten scheint. Nein, es regnet auch dann und wann. Nun habe ich vor kurzem beobachten müssen, wie genau bei solch einem Regenwetter Zeitungen verteilt, in die Briefkästen gestopft worden, aber immer nur halb, sei´s dem Zeitmangel geschuldet, oder vielleicht auch den dünnen Armen des Zustellers wegen, so dass die Zeitungen in den ungeschützten Briefkästen schon nach wenigen Minuten arg durchnässt waren und die Hälfte, welche es nicht in den Briefkasten schaffte, wie ein erschlaffter Penis aus dem Briefkastenschlitz heraus hing. Ein Bild, dessen Traurigkeit nur von Fotos übertroffen wird, auf denen man blasig gelaufene Füße von Ausdauersportlern sieht.

Man weiß ja, Zeitungen sind schon im trockenen Zustand nicht immer ein Quell überschäumender Freude, denn sie bringen einem zumeist nur schlechte Neuigkeiten ins Haus. Terror. Korruption. Neues von Helene Fischer. Doch macht es dieses alles auch nur ansatzweise besser, wenn es auf Grund einer Schlechtwetterfront als Pappmaschee auf dem Frühstückstisch landet? Die Bombe ist trotzdem explodiert. Das Geld landete dennoch in der Tasche eines Bürgermeisters. Und Helene Fischer erbrach sicherlich trotzdem aalglatte Unwichtigkeit. Nein, dies alles nicht zu erfahren, nur weil Papier, Regen und Zusteller ungünstig zusammentrafen, macht den Abonnenten nicht glücklicher. Er will den Schrecken furztrocken. Was beim Hinzuzug möglicher Rechtsprechung doch auch durchaus berechtigt scheint.

Für mich machen somit die folgenden drei Möglichkeiten den Weg zu trockenen Druckerzeugnissen frei: den Zusteller zu einer Weiterbildung schicken, bei der er, sofern er geistig dazu befähigt ist, vermittelt bekommt, dass Zeitungen aus einer oberen und einer unteren Hälfte bestehen, und beide Hälfte besonders bei Regen im sicheren Briefkasten zu versenken sind, außer, es wurde ein Abonnement für nur die untere Hälfte des Druckerzeugnisses abgeschlossen. Die zweite Möglichkeit besteht darin, den Briefkasten ins Trockene zu versetzen, also unter ein Dach, hinter eine Tür, was natürlich eine außergewöhnliche, nicht geplante finanzielle Belastung darstellt, die wahrscheinlich nicht mal von der Steuer absetzbar ist. Sollte aber nun der Zusteller auf den schon benannten Grund hin nicht weiterbildungsfähig sein, oder der Abonnent nicht gewillt, weiteres Geld in schlechte, aber wenigstens  trockene Nachrichten zu investieren, so bleibt immerhin noch Möglichkeit Nummer Drei: man wartet bis es regnet, zieht seine Gummistiefel an, lauert dem Zusteller auf und haut ihm aufs Maul.

Wem dies nun zu selbsjustizig scheint, der hat zwar ein gutes Herz, bekommt aber auch weiterhin bei jedem Tief triefende Titelseiten. Und falls mir in diesen vier Tagen auch nichts Besseres dazu einfällt, was soll´s. Ich habe kein Problem mit Ostern.

03/2016 ©kolumnistenschwein.de

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