Ein fester Wille mit Promille!

Ich spiele Lotto. Aber nicht exzessiv. Die meinen Tipp bearbeitende Mitarbeiterin des Getränkeshops, welcher wohl aus finanziellen Gründen einen seiner beiden Füße im legalen Glücksspiel stehen hat, hat mir versichert, mit 2,50 Euro Einsatz pro Woche gehöre ich nicht zum suchtgefährdeten Teil ihrer Klientel. Denn 1.) kann Glücksspiel tatsächlich süchtig machen. Und 2.) wäre sie gezwungen, mich zu melden, hätte sie den dringenden Verdacht, ich wäre hemmungslos der Lottofee verfallen. Also nicht sexuell. Feen fickt man nämlich nicht. Jedenfalls nicht von hinten. Da gehen nämlich die Flügel kaputt. Wo die Dame vom Lotto mich allerdings melden würde, würde ich Haus und Hof bei ihr verspielen, ist mir allerdings entgangen. Eventuell habe ich mich ja auch verhört. Ich zum Beispiel spreche recht schnell, so dass es öfters mal vorkommt, dass Menschen, die langsamer hören als ich rede, schnell in einen Wortstau geraten. Und da stehen sie dann und kommen gedanklich weder vor, noch zurück und werfen mir Blicke zu, die zum Traurigsten gehören, was ich je gesehen habe. Und vielleicht habe ich selbst ja in der Lottoannahmestelle einfach zu schnell gehört, so dass da einige Lücken in dem von mir akustisch Vernommenen entstanden sind. Und diese hat mein Gehirn mit Resten gefüllt, die es irgendwo mal eingesammelt hatte. Die Länge der Nervenbahnen eines menschlichen Gehirns soll ja insgesamt bis zu knapp 6 Millionen Kilometer betragen. Dass da an so manchem Bordstein bestimmt Unrat lagert, muss ja hier auf Grund der Logik nicht bis über Mitternacht hinaus ausdiskutiert werden.

Nun hat ja fast alles und jedes Suchtpotential. Es gibt tausende Verlangen, die den Verstand – egal wie stark er auch von seiner Bildung her verwurzelt scheint – ohne Wimpernzucken fällen. Und dann liegt man im Dreck. Wie Feen, denen man die Flügel abgefickt hat. Alkohol kann süchtig machen. Medikamente können süchtig machen. Sex kann süchtig machen. Ja, sogar Putzen kann süchtig machen. Wobei, ließe man mir eine Wahl, ich lieber öfter mal mit einer auffälligen Blutansammlung durch die Gegend laufe, als mit einem Staubwedel. Aber wie gesagt: noch bin ich weder dem Lotto, noch einem Mittel gegen Fußpilz, auch nicht dem Geschlechtstrieb, und erst recht nicht des Staubes Untertan. Beim Thema Alkohol halte ich mich allerdings mit einer Beurteilung zurück, denn wenn er mich auch nicht allzu fest in den Klauen hat, so trinke ich seit frühster Jugend gewiss mehr, als es einer Leber allein recht sein kann. Und ja: ich kenne mein Limit. Doch wir wissen ja, Limit kommt aus dem Französischen und steht für Grenzen. Und als ehemaliger Ossi habe ich mit Grenzen ja keine so guten  Erfahrungen gemacht, was das eine oder andere Glas zu viel an berauschenden Getränken eventuell erklären könnte. Wobei ich mit heran schreitenden Alter nicht mehr ganz so übel  kübel, wie noch vor einigen Jahren. Selbstkontrolle ist mir wichtig, denn wer abends seine Hosen nicht mehr allein ausziehen kann, der wacht eines morgens auf und neben ihm liegt nicht die Lottofee, sondern Jorge Gonzáles. Und wem Jorge Gonzáles acht Uhr früh breit ins Gesicht grinst, der weiß auch, wie sich eine Ameise auf der Spitze eines Grashalms fühlt, kurz bevor das Pferd zubeißt.

Wie erwähnt: ich spiele Lotto. Aber nicht exzessiv. In meinen Augen macht es ja auch gar keinen Sinn, mehr als einen Tipp am Samstag und einen Tipp am Mittwoch zu riskieren. 1,25 Euro kostet es jeweils und der schöne Gedanke, man gewinnt damit ein paar Millionen, verliert doch sofort an Süße, wenn man dann mit einem zweiten Tipp 1,25 Euro zum Fenster heraus geschmissen hat. Und die Sache mit der Sucht geht ja immer übers Belohnungszentrum. Und da muss man jetzt nicht hektisch anfangen nachzudenken, denn man findet es weder in Einkaufsstraßen, noch in den Einkaufstempeln auf Grüner Wiese. Es befindet sich nämlich im Vorderhirn und ist verantwortlich für die Entstehung von Glücksgefühlen. Da finden biochemische Prozesse statt und es sollen als Stichworte Dopamin, Mesolimbisches System und Craving an dieser Stelle ausreichen, wobei es uns ja eigentlich auch nur einen Scheißdreck interessiert, denn Hauptsache ist doch, es funzt und macht unser Grinsen breit. Siehe Jorge Gonzáles. Und man hat heraus gefunden, Vorfreude sorgt tatsächlich auch für hormonelle Schübe im Belohnungszentrum, so dass allein das Abgeben des Lottoscheines Glücksgefühle generiert. Ein Prinzip, welches sich die Lottogesellschaften gewiss sogar aufs Scheißhauspapier drucken ließen. Und wenn man da gewiss auch gern um den heißen Brei drum rum redet: man lebt in staatlichen Glücksspielzentralen bestimmt sehr gut von dem, von welchem Suchttherapeuten stets warnend abraten. Doch bei mir, da beißen sie auf Granit. Denn wenn ich das nächste mal in den Getränkeshop gehe, dann setzte ich mein Eisernes Gesicht auf und sage zur verdutzten Angestellten: “Kein Lotto heut’! Mich kriegt Ihr nicht! Geben Sie mir eine Flasche Schnaps!”

05/2016 ©kolumnistenschwein.de

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